1. Vorgeschichte
Mit freundlicher Unterstützung von Erhard Gundermann Saasa.
Wer das erste Mal das Tierheim in Eisenberg aufgesucht, der kann feststellen, dass dieses eine recht schöne, ruhige und abgeschiedene Lage hat. Fern vom Verkehr, am Rande eines großen Waldstücks und doch gut zu erreichen. Einmal über den Ort Saasa, wo es 500 m hinter den letzten Hausern gleich am Ziegelteich zu finden ist. Oder über die "Oberen Zeilbäume", hinter dem Eisenberger Freibad, in Richtung. Fährt man mit dem Auto, kann dieses direkt am Tierheim geparkt werden. Auch mit dem Stadtbus gelangt man 4mal täglich zum Tierheim und steigt an der Haltestelle "Gartenanlage Ziegelteich" aus.
In der Umgebung des Tierheimes wurde in früherer Zeit, etwa ab 1900, Kies abgebaut. In dieser Zeit, als es weder Bahn- noch Lkw-Verkehr gab, war der hiesige Kies und Sand sehr begehrt. So entstand auf privaten Flächen im Saasaer Wald so manche Kiesgrube, wo oftmals nur ein Mann in Saisonarbeit eingestellt war. In Handarbeit wurde das Baumaterial abgebaut und gesiebt. Mit Fuhrwerken und Handwagen wurde alles abtransportiert. Bis nach Jena transportierten die Pferdegespanne den Sand und Kies. Wie viele Bauten im Laufe der Jahre mit Saasaer Kies und Sand entstanden ist nicht überliefert. Vieles davon zeugt heute noch von verschieden großen Restflächen innerhalb des Waldgebietes um Eisenberg, OT Saasa und Friedrichs - Tanneck. Später wurden einige ehemalige Kiesgruben als Schuttplatz genutzt und so wieder aufgefüllt, zum Beispiel gegenüber des Tannecker Waldes. Hier wurde beim Bau der Eisenberger Möbelwerke um 1970 der viele Abraum aufgefüllt. Dort stehen nun schöne Kiefern und manche Bungalowanlage im Wald.
Ein übrig gebliebenes Restloch, die ehemalige Kiesgrube des Bauern Willy Zimmermann, wurde zunächst vom "Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten" genutzt, in der Zeit des Nationalsozialismus dann von SA und SS. Die Schießanlage fügte sich gut in die Landschaft, auch der Krach der Gewehre wurde durch das Gelände und den umliegenden Wald gedämpft.
Der 2. Weltkrieg beendete zunächst die Nutzung als Schießstand. Am 07.08.1952 wurde die Gesellschaft für Sport und Technik (GST), eine paramilitärische Jugendorganisation in der DDR, gegründet. Die Anlage erhielt für die GST erneut an Bedeutung. Die volkseigenen Möbelwerke Eisenberg übernahm die gesamte Anlage und baute diese für die GST-Grundorganisation des Betriebes und darüber hinaus für den gesamten ehemaligen Kreis Eisenberg aus. Aber nicht nur Schießsport fand in der Anlage statt. Mit der weiteren Entwicklung lebte auch der Motorsport, insbesondere mit Motorrädern, in der Region stark auf und prägte sehr stark das Leben der Jugend in und um Eisenberg. Eine recht gute GST-Grundeinheit Motorsport, mit guten Ausbildern, brachte sie in die besten Platzierungen. Man war stolz auf die Eisenberger Fahrer, die mit ersten Plätzen von Wettkämpfen nach Hause kamen und dies über Jahre. Dies hatte zur Folge, dass Eisenberg als internationaler Austragungsort für Großveranstaltungen ausgewählt wurde. Diese fanden stets im Walde um das heutige Tierheim statt. So war das Schießstandgelände mehrfach Zentrum der tagelangen Veranstaltungen, mit bis zu 250 Motorrädern, zum Beispiel im Jahre 1977, mit Start und Ziel auf dem Marktplatz in Eisenberg.
Die schöne Lage wurde nach dem Krieg weit über Eisenberg bekannt. Viele Erholungshungrige zog es in diese herrliche Waldgegend. So zeigte der damalige VEB TAKRAF Markranstädt Interesse, um für die Kinder der Betriebsangehörigen, aber auch den Werktätigen in den Ferien einen schönen Platz für Erholung und Genesung in bester Waldluft zu finden. Sie war jährlich für über 100 Kinder ein tolles Erlebnis. Als man neben der Anlage einige Bungalows errichtete, wurde das Interesse noch größer. Größere Bungalowsiedlungen entstanden im Gebiet des Ziegelteiches, bis zur Autobahn und an anderen Stellen des Kreises. Errichtet wurden diese besonders von Menschen aus den Ballungsgebieten der chemischen Industrie um Halle, Bitterfeld, Merseburg usw. Nicht nur im Gasthof "Zum Hirsch" gehörten die „Waldbewohner“ bald mit zum Dorfbild. Das zeigte sich auch zu den Pfingstfeiertagen, wo man sich zum Maibaumsetzen über viele Gäste freute.
Auch privat wurde so manches Wochenende von den Familien für einen Abstecher im Saasaer Wald eingeplant.
In den Aktivitäten der Wohnbezirke in der "Nationalen Front“ waren alle Bevölkerungsschichten mit verankert. Der Wohnbezirk von Eisenberg - Saasa zeigte jahrelang eine recht gute Arbeit. So fanden viele Veranstaltungen im Ort statt. Bereits in den 1960er Jahren veranstaltete man lange Zeit mit den Einwohnern von Saasa und vielen Gästen aus nah und fern schöne Wald- und Sommerfeste. Die Ferienlager von Markranstädt - heute das Gelände des Tierheimes - bot die beste Voraussetzung. Man nutzte den gut hergerichteten Platz mit seinen Baracken und dem Umfeld zu Sport und Spiel.
Der nahe Ziegelteich macht heute nicht gerade einen einladenden Eindruck. Manches ist im Laufe der Jahre eingewachsen und überholt. In den 1930er Jahren war der Ziegelteich eine öffentliche Badeanstalt. Es gab einen Bademeister, welcher bei schönem Wetter im Sommer eingesetzt war und auch die Freischwimmprüfungen abnahm. Es gab dort auch eine Umkleidebaracke. Der Badeteich war für die Kinder von Eisenberg oftmals die einzige Bademöglichkeit. Im Winter stand die Eisfläche zum Schlittschuhlaufen zur Verfügung und wurde gern angenommen. Der Ziegelteich wurde aus einzelnen Quellen im nahen Wald gefüllt.
Im Jahre 1908 wurde das Wasserwerk Saasa erbaut und weitere Quellen erschlossen. Mit Errichtung des Ferienlagers wurde dieses sofort an das Frischwassernetz von Eisenberg - Saasa angeschlossen. Nebenbei wurden vorhandene Brunnen und Quellwasser als Brauchwasser genutzt. Aufgrund der Entfernung zum Ort, der dazu notwendig gewesenen Geländedurchquerungen - auch von privaten Flurstücken - wurde aber keine Abwasserleitung gebaut. Es erfolgte kein Anschluss an die Ortskanalisation. Das Ferienlager erhielt mehrere Klärgruben, das Klärwasser wurde in den Wald abgeleitet. Die Klärgruben wurden zu DDR Zeiten je nach Bedarf geleert. Mit Übernahme des Geländes durch das Tierheim zwangen dann finanzielle Gründe andere Maßnahmen, eine Biokläranlage wurde gebaut, dazu aber später mehr.
Geht man an der Gartenanlage "Ziegelteich" vorbei in Richtung Molchsloch, sieht man auf einer Anhöhe an einen recht großen und hohen Gittermast. Dieser wurde 1980 von den Antennengemeinschaften von Saasa und Friedrichs - Tanneck in Eigenleistungen erbaut, damit man endlich Westfernsehen empfangen konnte.
Die am 07.08.1952 gegründet Gesellschaft für Sport und Technik wurde im Frühjahr 1990 aufgelöst. Die Liegenschaft, auf der sich das heutige Tierheim befindet, wurde und wird seither (noch 2008) durch das Bundesvermögensamt verwaltet, da das Gelände unter militärische Liegenschaften zählt. Über die Stadt Eisenberg wurde es dem Tierschutzverein des Saale-Holzland-Kreises verpachtet. Damit beginnt die jüngste Geschichte - die Errichtung des Tierheimes Eisenberg - Saasa. |